Von musikalischen Kostbarkeiten und Ohrenschmaus – Interview mit Ninette

2015.04.26.Ninette-interview

„Besser spät als nie!“ – so könnte man meinen, lautet das Motto von Ninette. Erst im zarten Alter von 19 Jahren entdeckte sie ihre verborgene Leidenschaft zur elektronischen Tanzmusik. Inspiriert von musikalischen Kostbarkeiten der Berliner Szene bereitet sie nun selbst ihrem Auditorium einen Ohrenschmaus aus dem bunten Karussell von melodischen und emotionalen Techno-Klängen und gehört schon jetzt zu den Durchstartern 2015.

Vom legendären Tresor Berlin als ihr musikalisches Zuhause bis Ende 2014 präsentiert sie sich mittlerweile einem Publikum aus aller Welt. Des Weiteren hat sie sich nicht nur dem Auflegen, sondern auch der Produktion verschrieben. Zu ihren Referenzen zählen mittlerweile weitere bekannte Clubs, wie der Arena Club Berlin, die Magdalena Berlin oder das Fundbureau in Hamburg. Nicht zuletzt durch ihren unverwechselbar groovigen Sound ist sie zu einer Botschafterin des Techno in Deutschland und Europa herangewachsen. Bevor Sie heute Abend, am 13. Mai, in der Bremer Lightplanke spielt, stellte ihr Redaktionsmitglied Ma-Cell ein paar Fragen.

 

Liest man deine Biographie, könnte man denken, dass Du es bedauerst „erst im zarten Alter von 19 Jahren“ deine verborgene Leidenschaft zur elektronischen Tanzmusik entdeckt zu haben. Wie kam es denn dazu und was war der ausschlaggebende Moment, der dich hinter das Mischpult führte?

Ninette: Das war mehr ein langsamer Prozess. Ich habe spät angefangen, Partys zu besuchen und noch später mein Interesse für Techno entdeckt. Da mein Bekanntenkreis aber aus vielen DJs bestand, war es nur eine Frage der Zeit bis ich mich selbst mal am Mixen versuchte. Das funktionierte auf Anhieb und der Rest ist Geschichte.

 

Bis Ende 2014 war die foreplay Veranstaltung im Berliner Tresor dein zu Hause. Wovon viele andere DJs träumen, war für dich Wirklichkeit, aber nun auch Vergangenheit. Was war der Grund für dein fortgehen?

Die “foreplay” und der Tresor gingen seit dem Zeitpunkt an getrennte Wege und damit endete auch leider meine Residency dort. Aber wie sagt man so schön, wo sich eine Tür schließt, öffnet sich auch eine Neue. Ich habe während meiner Zeit dort viele tolle Leute kennengelernt und werde auch die vielen schönen Momente nicht vergessen.

 

Dem klassischen Werdegang einer DJ Biographie entsprechend, widmest Du dich mittlerweile auch dem Produzieren. Ebenfalls eine verborgene Leidenschaft oder ist deiner Ansicht nach nur so ein Vorankommen möglich als DJ?

Ich denke, ab einem gewissen Zeitpunkt möchte man einfach seinen eigenen Sound kreieren und nicht immer auf Tracks zurückgreifen, die andere produziert haben. Von daher führt auch für mich kein Weg daran vorbei.

 

Seit Februar bist Du auch beim recht jungen Label NEW PORT Records. Oder bist Du sogar Mitgründerin?

Das stimmt, auf einer der letzten “foreplay” Partys im Tresor lernte ich den Labelgründer Martin Kleinert kennen. Er erzählte mir von seinem neuen Projekt und ich war sofort begeistert. Da das Interesse auf beiden Seiten beruht, war ich ziemlich schnell mit „im Boot“. Das erste Release „Groyne“ von Martin hat auch schon einige Fans gefunden. Man darf gespannt sein, wenn auch meine erste EP demnächst dort erscheint.

 

Was können wir somit dieses Jahr noch so von dir erwarten an neuen Produktionen?

Wie schon erwähnt, wird vor dem Sommer meine erste EP „Raw Material“ auf NEW PORT released. Natürlich arbeite ich schon fleißig weiter, sodass der ein oder andere Track sicher auch noch dieses Jahr veröffentlicht wird.

 

Wegen der heutigen Digitalisierung gibt es gefühlt mehr DJs und Produktionen. Fluch oder Segen?

Ich bin da geteilter Meinung. Einerseits ist es eine gute Sache, dass man auch mit wenig Geld und vorherigem Know-How etwas erreichen kann. Andererseits wird es so für die wirklich guten Künstler schwierig, sich aus der Masse hervorzuheben. Ich kenne einige gute Produzenten/ DJs, die großes Potenzial haben, denen es allerdings schwer fällt, sich nach vorne zu kämpfen.

 

Allein 2015 bist Du schon viel rumgekommen. Welche Location, die Du noch nicht bespielt hast, steht auf deinem geheimen Wunschzettel?

Das ist eine gute Frage. Sicherlich steht noch die ein oder andere Berliner Location auf meinem Wunschzettel, um nicht zuletzt das Sisyphos oder das Watergate zu nennen. Allerdings freue ich mich auch auf vermehrte Gigs im Ausland. Ich lasse mich überraschen, was alles möglich ist.

 

Inwieweit hat sich durch Auflegen und Produzieren dein Alltag in den letzten 1 bis 2 Jahren verändert?

Mein Alltag hat sich verändert in den letzten beiden Jahren. Schließlich bin ich fast jedes Wochenende stundenlang mit diversen Verkehrsmitteln unterwegs. Für das Produzieren versuche ich, neben meinem Studium, mir immer wieder die nötige Zeit und Ruhe zu nehmen, was mir leider nicht immer gelingt. Ich arbeite aber daran und verspreche Besserung ;)

 

Im Februar hast Du gerade erst im Hamburger Fundbureau gespielt, im März in der Hamburger Prinzenbar und am 13. Mai folgt erneut Bremen mit einem Gastspiel bei We Change The Weather in der Lightplanke. Wie ist dein bisheriger Eindruck bzgl. dem kühlen Norden?

Bisher waren meine Gigs immer sehr cool dort. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und feiertauglich. Nach entsprechendem Feedback ihrerseits meine ich, dass meine Musik dazu auch noch gut ankommt.

 

Was war dein bisher schlimmstes Erlebnis beim Clubauftritt? Was geht gar nicht, aber kommt dennoch immer wieder vor?

Ein absolutes „No Go“ ist Unpersönlichkeit seitens des Veranstalters sowie Unfreundlichkeit. Immerhin arbeitet man zusammen und ohne den Einen hätte der Andere kaum Erfolg. Schließlich sitzen wir alle im selben Boot, in dem Respekt und Achtung von allen Seiten entgegengebracht werden sollten.

Mein bisher schlimmstes Erlebnis hatte ich in einem Schweizer Club, bei dem sich Booker und Chef wohl nicht ganz einig über die musikalische Gestaltung des Abends waren. Mein geplantes drei Stunden Set wurde nach der Hälfte abgebrochen, obwohl die Stimmung Bombe war, um mich durch zwei minderjährige Bekannte des Chefs zu ersetzen, die dann das Publikum mit „feinstem“ House beschallten. Das war schon ziemlich kurios. Immerhin sollte der Veranstalter wissen, welchen Act er bucht!

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Ma-Cell

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