Zwischen Himmel und Hölle: Botur & Gajda im Interview

2015.01.25.Botur-und-Gajda-lightplanke-bremenMittels Präsenz in Berlin und Bremen haben sich Botur & Gajda allein schon durch ihre diversen Auftritte einen respektablen Bekanntheitsgrad geschaffen. Pünktlich zum Nikolaus erschien nun deren neues Release Between Psychotic And Iconic und ergänzt ideal den Stil der beiden, welcher irgendwo zwischen Himmel und Hölle liegt (und damit sind wirklich nicht die beiden oben genannten Orte gemeint). Ihre elektronischen Klangwelten leben von dunklen Bässen und euphorischen, ausgeklügelten Melodien. Ihre Arrangements und Live-Sets brechen aus den üblichen Techno House Schemata aus, was Ihre abstrakte Präsenz und Energie widerspiegelt. Viele Wege führen dabei nach Rom, aber nur einer führt zu der Befriedigung ihrem Anspruch gerecht zu werden, antworten Igor Botur und Mateusz Gajda gern auf die Frage, warum sie seit 2004 Musik machen. Der ekstatische, bebende Sound des aus Bremen und Berlin stammenden Duos Botur & Gajda ist frisch, anders und doch vertraut. Bevor sie bei der We Change The Weather am 24. Januar in Bremen dies erneut demonstrieren, haben wir schon mal mit den beiden gesprochen.

 

Ihr tretet beide unter euren bürgerlichen Nachnamen zusammen auf. Beide scheinen selten vorkommen und klingen interessant. Wisst ihr eigentlich selbst, woher eure Namen ursprünglich stammen?

Mateusz: Da ich in Polen geboren bin fällt diese Antwort natürlich nicht so schwer. In Polen taucht der Nachname schon hin und wieder auf.

Igor: Sephardisch bzw. französisch ist die Herkunft meines Nachnamens. Meine Mutter nahm ihn an, bevor ich auf die Welt kam.

 

Mittlerweile wohnt einer von euch in Berlin, der andere in Bremen, was auch zu vermehrten Bookings in der Hauptstadt führte. Wie nehmen euch alte Bekannte und Kollegen wahr, wenn ihr z. B. am 24. Januar wieder in Bremen spielt?

Igor: Ich wohne in Berlin – die freuen sich und kommen natürlich (hoffentlich)

Mateusz: In Bremen zu spielen war bislang immer ein freudiges und famliäres Erlebnis. Es sind über die Jahre viele neue Gesichter und Bekannte hinzugekommen und es macht immer wieder Spaß sich wiederzusehen und gemeinsam zu feiern! Dieses Jahr haben wir aus Bremen auch ein unglaublich positiven Rückhalt erhalten und konnten viele neue Kontakte knüpfen die uns stetig unterstützt haben. Dafür will ich mich nochmal herzlichst Bedanken und hoffe, wir sehen uns alle (!) bei der ersten We Change The Weather Clubnacht am 24. Januar in der Lightplanke wieder!

 

Die Major Musikvertriebe unterstreichen gerne ihre Bedeutung dahingehend, dass ohne ihr Kapital keine Talente mehr gefördert werden könnten. Wie steht ihr dazu?

Mateusz: Ich denke da spielen viele Faktoren ein Rolle: Das Musikgenre, die Szene, die sich dahinter mit ihren einzelnen Subkulturen versteckt, und auch der Zeitgeist, der in den Köpfen der jeweiligen Beteiligten lebt. Natürlich vereinfacht Kapital einiges und man kann den Künstler schneller in der Öffentlichkeit platzieren. Auch ein professionelles Mastering und Vertreiben der Musik hat seine Vorteile. Aber es ist nicht alles und auch kein Erfolgsgarant. Ich denke jeder Künstler weiß für sich selbst am Besten, was er will und wie er seine Kreativität am Besten zu fördern hat. Diese ist und bleibt der Schlüssel zum Erfolg. Für weitere Schritte der Vermarktung ist externe Hilfe sicherlich von Vorteil, wenn nicht sogar notwendig.

Igor: Ohne Kapital geht nichts – sei es kreatives oder monetäres (am besten beides) – aber nicht nur die „Großen“ besitzen Kapital.

 

Welche Musiker haben euch bei dem bisherigen Schaffen massiv beeinflusst?

Igor: Yeezy & Drizzy.

Mateusz: Dem schliesse ich mich an. Die Liste ist lang und zieht sich durch mehrere Genres der letzten 6 Jahrzehnte. Alles und nichts kann zur Inspiration beitragen und ich für mich persönlich kann da niemanden besonders hervorheben, weil sich das permanent bewegt und verändert. Einige Sachen, die mich noch vor einem Jahr extrem berührt haben, finde ich grad z. B. wieder anstrengend. Aber einen Namen kann ich im Großen und Ganzen nennen: Igor Botur!

 

Während andere am Anfang erst mal nur diverse Tracks und EPs nach und nach veröffentlichen, habt ihr gleich ein Album auf den Markt geworfen. War der ungewöhnliche Weg das Ziel?

Mateusz: Dies ist nicht ganz richtig. Wir haben dieses Jahr die ”Pretty Boy EP” und die ”Hell EP” rausgebracht und weitere free Tracks und Mixtapes. Der Output war das Ziel. Viele fertige Produktionen. Zuviel Material, was man nicht einfach verkommen lassen möchte. Zudem haben wir das Rap Album ”Blau” von Moezech größtenteils mitproduziert, gemischt und gemastert. Wer was mit Rapmusik anfangen kann, sollte da mal reinhören!

 

Was steht als nächstes Release bei euch an?

Igor: Unglaublicher Scheiss – Wir haben schon einige neue Tracks und EPs in den Startlöchern. Es fehlt der letzte Schliff und der richtige Zeitpunkt, aber da kommt noch einiges auf euch zu…

Mateusz: Lassen wir uns einfachmal mal überraschen!

 

Wie gestaltet ihr eure Auftritte? Spielt ihr live oder legt ihr als DJ Team auf?

Igor: Live, energetisch und im Team.

Mateusz: Es ist ein Mix aus beidem. Jeder hat seine Aufgaben und Möglichkeiten der Musik seinen eigenen Stempel zu verpassen. Im Groben zusammengefasst mixe ich im 4 Deck Verfahren Tracks/ Loops zusammen und leite das Signal an Igor weiter. Der kann dann Loops, Sounds und Effekte hinzufügen oder das Ganze einfach bearbeiten/ entfremden.

 

Mittlerweile seid ihr viel rumgekommen. Welche Location, die ihr noch
nicht bespielt habt, steht auf eurem geheimen Wunschzettel?

Mateusz: Da gibt es so einige… Das Berghain und die Fusion reizen mich grade sehr. Und das Burning Man wäre natürlich auch mal ein Highlight!

Igor: Berghain, Berlin (Sonntag, 9 Uhr morgens) und Magic City, Atlanta (Montag am Tag/ Mittag).

 

Zum Abschluss die Klassiker Frage: Was war eurer bisher schlimmstes Erlebnis beim Clubauftritt? Was geht gar nicht, aber kommt dennoch immer vor?

Igor: Kein Bass, hahaha. Die haben uns echt mal in einem Club in Berlin ohne spielen lassen…

Mateusz: Das ging gar nicht… Das schlimmste Erlebnis liegt grade gar nicht so weit zurück.Unserem letzter Gig im Cassiopeia. Erst vergessen wir unser Kabel zum aufnehmen. Ärgerlich, da wir uns was einfallen lassen haben für diesen besonderen Abend. Im Nachhinein dann doch nicht so tragisch, da nach ca. zwei Minuten unser Traktor hängengeblieben ist… Nach dem Neustart musste ich dann feststellen, dass meine Kopfhörer einen riesen Wackelkontakt hatten und ich größtenteils nichts gehört hab. Der Laden knüppelvoll und ich musste die nächsten 3 Stunden ohne ein brauchbares Signal in den HPs (Anmerk. Red.: Headphones) mischen. Diesen Stress und Schweiß wünsche ich niemanden. Ich war danach fix und fertig… aber niemand hat es mitbekommen!

Botur & Gajda – Between Psychotic And Iconic ist seit dem 6. Dezember 2014 in diversen Digitalmusic Stores wie z. B. Amazon, iTunes usw. erhältlich.

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